Evangelische Kirche, Lützel-Wiebelsbach

Die historische Kirche der Evangelischen Bergkirchengemeinde Lützelbach liegt in der hügeligen Landschaft des Odenwalds erhaben auf einem Bergrücken. Das unter Denkmalschutz stehende Kirchengebäude befindet sich am Friedhof, welcher vielschichtige archäologische Funde im Boden aufweist. Aufgrund der städtebaulich markanten Lage prägt das Gebäude das Ortsbild in besonderer Weise. Um diese Wirkung zu erhalten, wird der Neubau bewusst auf der dem Dorf abgewandten Seite angeordnet, sodass er das Erscheinungsbild der Kirche nicht stört.
Kategorie:
Sakralbau
Ort:
Lützel-Wiebelsbach, Hessen
Fertigstellung:
2024, LPH 1-9
Fotografie:
Brigida Gonzáles, klinkenberg | architektur

Zwischen dem Kirchengebäude mit neuem Anbau und der Aussegnungshalle befindet sich eine neuangelegte Rampenanlage, die als barrierefreier Zugang dient.

Die Außenanlagen, bestehend aus Sitzstufen, Rampe und Freiflächen, grenzen an einen kleinen Platz, der Raum für Versammlungen und Gottesdienste im Freien bietet. Dieser ist zur Erschließungsseite und damit zum Dorf hin orientiert und bewusst vom angrenzenden Friedhof abgewandt gestaltet.
Anlass von An- und Umbau sowie Modernisierung dieses Gebäudes war die Konzentration des Gemeindelebens auf die Kirche. Das Gemeindehaus wurde verkauft und die nun fehlenden Räume in das Kirchengebäude sowie einen Anbau integriert.



Das große sakrale Bestandsgebäude bleibt weiterhin das prägende Haupthaus und wird durch einen zurückhaltenden Neubau ergänzt, der als „kleines Haus“ unterstützend wirkt. Der Anbau wird als lineares Infrastrukturgebäude konzipiert, das bewusst von der Kirche abgelöst ist und alle notwendigen Funktionen wie Sakristei, Teeküche, Sanitäranlagen und Haustechnik aufnimmt, um eine multifunktionale Nutzung der Kirche zu ermöglichen. Lediglich die Sakristei ist in ihrer Kontur von Außen ablesbar und mit einer differenzierten Glasfuge abgelöst.





In seiner Ausrichtung orientiert sich der Neubau an der Längsseite des historischen Gebäudes und dient als Erschließungsbauwerk für die Kirche. Lediglich bei größeren Gottesdiensten erfolgt der Zugang noch über das Hauptportal.

Die Materialität des Neubaus unterscheidet sich bewusst vom historischen Bestand: Während der bestehende Steinbau für Beständigkeit und Dauer steht, vermittelt der Neubau in Holz Leichtigkeit, Wärme und Flexibilität.





Das historische Kirchengebäude wurde im Innenraum restauratorisch überarbeitet und durch die Integration eines Gemeinderaums funktional erweitert.

Die Nutzung des Sakralraumes steht weiterhin im Vordergrund. Im Bereich unter der Rückempore wird durch mobile Glastrennwände eine Winterkirche transparent abgetrennt. Somit bleibt der Gesamtraum weiterhin wahrnehmbar. Die Winterkirche soll es ermöglichen, einen Alltagsgottesdienst in einem kleineren Rahmen feiern zu können, ohne den gesamten Kirchenraum aufheizen zu müssen. Weiter kann dieser Bereich an Werktagen für Gruppen und Kreise genutzt werden. Aufgrund einer flexiblen Möblierung mit Stühlen kann neben sich verändernden Möblierungsszenarien für den Gottesdienst, der Raum auch für Konzerte, Lesungen, Diskussionen, etc. im gottesdienstlichen Kontext genutzt werden. Bei großen Gottesdiensten wird die flexible Glastrennwand geöffnet. Die Bestuhlung wird gemäß dem jeweiligen liturgischen Konzept ausgerichtet, dessen Variabilität aufgrund der mobilen Prinzipalien möglich wird.

Der neue Bodenbelag, ein rötlich eingefärbter Sichtestrich, ohne Höhendifferenzierung hebt ehemalige Hierarchien, wie Bankspiegel, auf, um den Raum für unterschiedliche Nutzungen zu öffnen.




